Der Fall Demichelis
25. August 2010 von redaktionMartin Demichelis steht vor dem Aus beim deutschen Rekordmeister Bayern München. Die über viele Jahre hinweg gute Zusammenarbeit scheint ein unrühmliches Ende zu finden.
Was darf sich ein Spieler erlauben? Und wann überschreitet das Gebaren der Führungsriege eines Vereins die Grenzen des guten Geschmacks? Der FC Bayern und sein Spieler Martin Demichelis legen derzeit eine gefährliche Gradwanderung hin. Eine Gradwanderung? Nein, eigentlich sind beide Seiten schon längst abgestürzt.
Der Argentinier spielt derzeit die Rolle des Beleidigten. Er wollte gegen Wolfsburg nicht auf der Reservebank Platz nehmen und bat darum dann doch lieber ganz aus dem Kader gestrichen zu werden. Im Gegenzug konterte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer aus der Führungsetage, dass Demichelis die Nase schon lange zu hoch trage. Er wolle am liebsten “mit Krawatte spielen”, so der Kaiser über einen Spieler, der viele Jahre Topleistungen für den FCB abgeliefert hat.
Darf ein Spieler die ihm vom Trainer zugeteilte Bank verweigern? Darf die Vereinsführung, und sei es auch der Ehrenpräsident, so über einen Spieler herziehen? Ein doppeltes Nein. Die Zeichen stehen auf Trennung, denn Martin Demichelis wird bei dem Disziplinvirtuosen Louis Van Gaal wohl kaum noch Berücksichtigung finden. Und außerdem will der argentinische Nationalspieler ohnehin das Weite suchen. Und zwar so schnell wie möglich. Tief gekränkt zieht er von dannen und lässt 7 Jahre FC Bayern hinter sich. So zumindest der Plan und es wird ihn wohl kaum jemand aufhalten.
Demichelis wird angeblich von Italiens Rekordmeister Juventus Turin, dem englischen Champion FC Chelsea und Atlético Madrid umworben. Als mögliche Ablösesumme sind zwölf Millionen Euro im Gespräch. Der FC Bayern wird nun natürlich versuchen aus dem „ungeliebten Sohn“ noch möglichst viel Kapital zu schlagen. Schade nur, dass es nach den vielen erfolgreichen Jahren im Bayerntrikot für Martin Demichelis nun zu einem solch bitteren Abgang kommt.
Sandhu Wurzer