Alle Artikel in der Kategorie ‘WM 2010’
10. Dezember 2010 von redaktion
Joachim Löw ist von der französischen Sportzeitung L’Equipe ausgezeichnet worden. Dabei setzte sich der Bundestrainer sogar gegen Triple-Sieger Jose Mourinho durch.
Bei der WM in Südafrika hat es mit der deutschen Nationalmannschaft nicht für den Titel gereicht. Doch kurz vor dem Jahresende kann sich Joachim Löw nun über eine Auszeichnung freuen. Die renommierte französische Sportzeitung L´Equipe hat den Bundestrainer zum “Manager des Jahres” gewählt. Dabei verwies der 50-Jährige Claude Onesta, Trainer der französischen Handball-Nationalmannschaft, und Jose Mourinho, der mit Inter Mailand Champions League, Meisterschaft und Pokal gewann und heute Coach von Real Madrid ist, auf die Plätze. Die Auszeichnung wurde dem Bundestrainer in Frankfurt am Main überreicht. „Ich freue mich sehr darüber“, sagte Löw DFB.de und ergänzte: „Die L`Equipe ist eine angesehene Sportzeitung, die über Frankreich hinaus in Europa einen hohen Stellenwert hat.“
Gewählt wurde der Bundestrainer, dem die Auszeichnung in Frankfurt am Main überreicht wurde, von einer Jury unter Vorsitz des ehemaligen Skirennläufers und Olympiasiegers Jean-Claude Killy. Für Löw ist es nach dem Bundesverdienstkreuz, das ihm von Bundespräsident Christian Wulff für den gelungenen Auftritt der Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika verliehen wurde, bereits die zweite Auszeichnung in diesem Jahr. Aber Jogi wäre natürlich nicht Jogi, wenn er die Lorbeeren nicht teilen würde. „Ich nehme den Preis stellvertretend für die Mannschaft, den gesamten Stab der Trainer und Betreuer und die Fans entgegen. Das ist eine Auszeichnung der Arbeit des gesamten Teams“, so Löw, der laut einer Umfrage des Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” zu den beliebtesten Deutschen gehört.
12. Juli 2010 von redaktion
Spanien bezwingt Holland im Finale der Weltmeisterschaft und sichert sich zum ersten Mal den goldenen Pokal.
Ein Tor versetzte Spanien in den absoluten Ausnahmezustand. Andres Iniesta traf in der Verlängerung mitten rein in die spanische Glückseligkeit. Die 116. Minute wird als historische Zahl in die Fußballmemoiren eingehen.
Alles schien auf ein Elfmeterschießen hinauszulaufen, da schlug die „Rote Furie“ doch noch zu. Bitter für die tapfer kämpfenden Holländer, die auch das dritte WM-Finale nicht für sich entscheiden können.
Spanien ist das Maß der Dinge im Weltfußball, zumindest in den letzten Jahren. Als amtierender Europameister ist ihnen nun das ganz große Kunststück gelungen. Der goldene Pokal, das höchste Ziel aller Fußballträume, wandert auf die Iberische Halbinsel. Und zwar völlig zu Recht. Die Mannschaft von Trainer Vicente Del Bosque hat über das Turnier hinweg den reifsten Fußball gespielt. Ballbesitz und bedingungslose Dominanz sind die Pfeiler auf denen das Erfolgsgebilde Spanien ruht. Das massive Abwehrbollwerk lässt kaum etwas zu, im Mittelfeld werden Ball und Gegner in traumwandlerischer Sicherheit laufen gelassen und vom Sturm geht immer Gefahr aus. Spanien ist der Inbegriff des modernen Fußballs, der erfolgreich aber auch attraktiv sein will.
Die Nationalmannschaft hatte vor einigen Jahren noch einen schweren Stand in der eigenen Heimat. Gespickt mit Weltstars konnte die Selección ihren Ansprüchen nie gerecht werden und flog reihenweise vorzeitig aus den Turnieren. Die Auftritte des Nationalteams betrachtete man in Spanien als lästige Unterbrechung der Primera División oder der Champions League und Basken sowie Katalanen wünschten sich eine eigene Nationalmannschaft. Kein Wunder also, dass die Selección das Land nicht hinter sich einen konnte und in der öffentlichen Wahrnehmung vergleichsweise wenig Beachtung fand.
Zeiten ändern sich, heute ist alles anders. Der Stolz auf den Erfolg ihrer Mannschaft verbündet die spanische Bevölkerung und schweißt sie zusammen. Der Europameistertitel und der WM-Pokal ist wie Balsam für das gespaltene Land. Die Spanier lieben ihre Selección heute und es gilt längst nicht mehr als konservativ die spanische Flagge zu hissen. Die Nationalmannschaft ist in Mode, denn Erfolg hat eine magische Anziehungskraft. 250.000 Menschen verfolgten das WM-Finale beim Public Viewing in Madrid und verloren sich nach dem Treffer von Iniesta im Gelb-Roten Freudentaumel.
Sandhu Wurzer
11. Juli 2010 von redaktion
Deutschland gewinnt das Spiel um Platz drei mit 3:2 gegen Uruguay und sichert sich die Bronzemedaille der WM in Südafrika. Ein versöhnlicher Abschied von einem großartigen Turnier, das nicht nur sportlich ein riesen Erfolg war.
Deutschland siegt im Finale, leider nur im kleinen Finale. Doch der jungen deutschen Mannschaft von Bundestrainer Jogi Löw gehört der Respekt und die Hochachtung der Fußballanhänger.
Die deutschen Spieler schlichen bei der Ehrenrunde nach dem Spiel durch das Nelson-Mandela-Bay-Stadion in Port Elizabeth. Artig bedankten sie sich bei den Zuschauern, klatschten, winkten, doch zum Feiern fehlte ihnen ganz einfach die Kraft. Ein langes und nervenaufreibendes Turnier steckte ihnen in den Gliedern, sie wollten jetzt einfach die verdiente Auszeit einläuten. Aber zumindest müde lächeln konnten die Spieler. Dazu hatten sie auch allen Grund.
Auch wenn der ganz große Triumph nicht gelingen wollte, kehren die deutschen Akteure als Helden aus Südafrika zurück. Sie haben mit berauschendem Fußball nicht nur Deutschland in ein sommerliches Freudenhaus verwandelt, sondern die Fußballfans weltweit verzückt. Der Geist von 2006 lebt. Damals begann eine Erfolgsgeschichte, die nach wie vor die Grenzen des Sports sprengt. Die Welt begann Deutschland mit anderen Augen zu sehen. Vergessen waren die schwierige Geschichte des Landes, die Vorurteile gegenüber der deutschen Lebensart, die Distanz. Grund dafür war 2006 wie heute die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.
Als Aushängeschild für Deutschland gelang es ein neues Bild von Deutschland in den Köpfen der Menschen zu statuieren. Die Mannschaft repräsentierte Deutschland in den letzten Jahren mit attraktivem Offensivfußball, die Spieler eroberten mit ihren natürlichen Charakteren und einer überragenden Mentalität die Herzen der Menschen und die deutsche Heimat verwandelte sich während der Fußball-Turniere in einen Ort der Offenheit, der Freude und Loyalität. Dies alles registrierte die Welt staunend und begann die neue deutsche Lebensphilosophie zu schätzen.
Das, was die deutsche Nationalmannschaft in Südafrika geleistet hat, ist kaum genug zu ehren. Sportlich, als auch gesellschaftlich und kulturell hat sich Deutschland der Welt erneut von einer besonderen Seite präsentieren können, die mehr und mehr zum freundschaftlichen Dialog mit den anderen Nationen der Welt führt. So kommen die „Botschafter des Landes“ also mit der Bronzemedaille um den Hals als Helden zurück.
Sandhu Wurzer
8. Juli 2010 von redaktion
Deutschland unterliegt Spanien im Halbfinale der Weltmeisterschaft mit 0:1. Dem Team von Jogi Löw bleibt nur noch das Spiel um Platz drei gegen Uruguay.
Die Titelträume Deutschlands haben ein jähes Ende gefunden und die Euphoriewelle im Land wurde unsanft gestoppt. Deutschland zurück in der Realität, herausgerissen aus Wolke sieben. Die Mannschaft entzündete in Südafrika einen Funken, der sofort auf die Heimat übersprang. Traumhafter Fußball, begeisternde Siege gegen England und Argentinien entfachten das Feuer dann so recht und die Flammen der Leidenschaft schlugen hoch. Deutschland war im Freudentaumel, konnte sein Glück kaum fassen. Die ganze Welt ergötzte sich an den deutschen Fußballfeuerwerken, die in Südafrika abgebrannt wurden. Das war nicht mehr der marode Holperfußball den deutsche Teams zu arbeiten pflegten. Das war nicht nur für den geneigten Fußballästheten Entertainment pur. Menschen, die sonst niemals Fußballspiele verfolgen, riss es von den Sitzen, stimmten ein in die Jubelchöre, packte das Fußballfieber. Dieses neue deutsche Team ließ keinen kalt, es riss jeden auf dem rasanten Weg Richtung Finale mit.
Doch dann kam Spanien im Halbfinale und zog einen brutalen Strich durch alle deutschen Träumereien. Was war nur los gegen die Iberer? Man fühlte sich das Spiel über sehr an das EM-Finale von 2008 erinnert. Auch damals hatte Deutschland keine Chance gegen übermächtige Spanier und kam kaum an den Ball. Die Spanier brillierten nun wieder mit ihrem gefürchteten Kurzpassspiel, traumwandlerisch sicheren Seitenwechseln und Raumdeckung in Perfektion. Das deutsche Team kam überhaupt nicht ins Spiel, wie sollt es auch ohne Ball.
Den Bruch im deutschen Spiel auf den Ausfall des Gelb gesperrten Thomas Müller zu reduzieren wäre zu simpel gedacht, doch hat er de facto an allen Ecken und Enden gefehlt. Seine Unbekümmertheit und sein Spielwitz hätten der ratlos agierenden DFB-Elf gut zu Gesichte gestanden.
Nun ist Deutschland also im Rennen um den goldenen Pokal ausgeschieden und darf sich nur noch einmal in der Partie um Platz drei den Kummer von der Seele spielen. Ist also die Zeit gekommen sich im Tal der Tränen zu verlieren? Nein, Deutschland hat ein großartiges Turnier gespielt. Gegen die beste Mannschaft der Welt kann man verlieren, das ist keine Schande. Der jungen Truppe von Jogi Löw gehört ohnehin die Zukunft. Die Mannschaft hat ein riesengroßes Potential, das es zu kultivieren gilt. Dann dürfen wir uns auf viele berauschende Fußballfeste freuen. Der Funke brennt und wartet nur darauf die Leidenschaft erneut zu entfachen.
Sandhu Wurzer
5. Juli 2010 von redaktion
Am Mittwoch (7.07.) trifft Deutschland im Halbfinale der WM in Südafrika auf Spanien. Das Szenario vor der Partie ist von gegenseitigem Respekt geprägt.
Keiner will die Favoritenrolle. Deutschland gefällt die Außenseiterrolle bestens und proklamiert den amtierenden Europameister von der Iberischen Halbinsel als stärkstes Team der Welt. Die Spanier wiederum versuchen die Deutschen in den Fokus der Erwartungen zu rücken. Die Iberer haben bei der bisherigen Weltmeisterschaft nicht die Dominanz aus der EM 2008 wieder gefunden. Nach der blamablen Auftaktniederlage gegen die Schweiz, folgten zwar vier Siege in Folge, doch holperte sich die „Selección“ von Spiel zu Spiel.
Im aktuellen Formcheck hat Deutschland die Nase klar vorne. Mit einem berauschenden 4:0 Kantersieg fegte das DFB-Team Argentinien aus dem Green-Point-Stadion in Kapstadt, während sich Spanien gegen Paraguay zu einem müden 1:0 quälte.
Deutschland reist mit viel Rückenwind nach Durban, wo am Mittwoch das Halbfinale steigt, doch von Übermut keine Spur. Das wäre auch fatal, denn noch ist nichts erreicht. Zwar ist der Sprung unter die besten vier Mannschaften der Welt gelungen, diesmal soll es aber mehr sein.
Eine zusätzliche Motivation für das Team von Trainer Jogi Löw ist der Wunsch nach Vergeltung. Vergeltung für die bittere Finalniederlage 2008 gegen ein alles überragendes Spanien. Deutschland wurde damals 90 Minuten lang vorgeführt und hatte nicht den Hauch einer Chance. Das soll diesmal anders laufen.
Auch wenn der Motor im spanischen Spiel manchmal stottert, funktioniert die Mannschaft und verliert nie den Überblick. Die DFB-Elf sollte sich also nicht von spanischen Schwächephasen täuschen lassen. Die „rote Furie“ wird im Halbfinale sicherlich ein anderes Gesicht zeigen als gegen Paraguay. Angst brauchen die Jungs von Jogi Löw dennoch nicht zu haben. Die letzten Spiele haben eindrucksvoll gezeigt, dass da ein verschworenes Team zusammengewachsen ist, das von einer überragenden Mentalität lebt. Zwei Siege noch bis zum Pokal – und dafür muss am Mittwoch der erste her.
Sandhu Wurzer
4. Juli 2010 von redaktion
Die deutsche Nationalmannschaft schlägt Argentinien in einem denkwürdigen Spiel mit 4:0. Im Halbfinale trifft das Team von Jogi Löw auf den amtierenden Europameister Spanien.
4:1 gegen England, 4:0 gegen Argentinien. Das sind nicht die Träumereien eines verwirrten Fußballnostalgikers. Das ist das Märchen, das Deutschland bei dieser WM aufführt. Der ganz normale Wahnsinn oder wie soll man das auch immer nennen. Es ist kaum zu glauben, Deutschland im Freudentaumel.
Wer dachte, das grandiose Spiel gegen die Briten sei ein glücklicher Ausrutscher gewesen, der wurde im Viertelfinale eines besseren belehrt. Die Mannschaft von Jogi Löw spielte sich gegen die völlig überrumpelten Gauchos in einen Rausch. Traumwandlerisch sichere Kombinationen, Doppelpässe, Tempodribblings und Tore am Fließband. Das ist einfach überragend. Deutschland zelebriert derzeit den gepflegten Fußball und verzückt die Fußballfans weltweit.
Deutschland hat seit dem Ausfall von Michael Ballack nicht den einen großen Spieler, den Star, der auf Gedeih und Verderb das Schicksal der Mannschaft in Händen hält. Die DFB-Elf besticht vielmehr durch ein starkes Kollektiv und der Star ist der Trainer. Die Handschrift von Joachim Löw ist unübersehbar. Die Mannschaft folgt stets einem übergeordneten Plan und ist taktisch immer perfekt auf seinen Gegner eingestellt.
Einziger Wermutstropfen aus der Begegnung gegen Argentinien ist die gelbe Karte gegen Thomas Müller, durch die er im Halbfinale fehlen wird. Der junge Stürmer vom FC Bayern ist aus der Nationalmannschaft nicht mehr wegzudenken. Unbekümmert und mutig tritt er auf und hat bereits vier Mal getroffen. Es „Müllert“ also wieder im deutschen Sturm. Umso bitterer, dass er gegen Spanien nun pausieren muss. Im Halbfinale gegen die Kicker von der Iberischen Halbinsel heißt es also noch enger zusammenzurücken, das Kollektiv ist erneut gefragt.
Sandhu Wurzer
30. Juni 2010 von redaktion
Im Viertelfinale trifft Deutschland am Samstag (03.07.) in Kapstadt auf Argentinien. Im Vorfeld der Partie wird sich schon einmal verbal eingeschossen.
Deutschland will den vierten Stern, Deutschland will Weltmeister werden. Dafür gibt selbst der sonst so zurückhaltende Bastian Schweinsteiger seine defensive Grundhaltung auf und attackiert die Gauchos um Trainer Diego Maradona bereits vor dem Spiel. Er forderte öffentlich vom Schiedsrichter, dass dieser ein waches Auge für die Provokationen und Unsportlichkeiten der Argentinier habe und diese entsprechend bestrafen müsse. Er verweist mit seinen Anspielungen auf das letzte große Aufeinandertreffen mit den Südamerikanern bei einem Turnier.
Vor rund vier Jahren standen sich Deutschland und Argentinien bei der WM 2006 gegenüber. Ebenfalls im Viertelfinale und damals kochten die Emotionen hoch. Deutschland bezwang die Argentinier im Elfmeterschießen, die ihrem Frust daraufhin freien Lauf ließen. Mitten in den Jubel der DFB-Auswahl hinein trat der argentinische Auswechselspieler Leandro Cufre dem deutschen Abwehrrecken Per Mertesacker in den Unterleib. Es entbrannte eine Massenkeilerei, die letztendlich die Sperrung von Thorsten Frings für das Halbfinale gegen Italien nach sich zog.
Das Motiv von Schweinsteiger ist klar. Er will seine Mannschaft vor Provokationen und damit vor Karten schützen. Neben Schweinsteiger selbst wären auch Arne Friedrich, Kapitän Philipp Lahm, Sami Khedira, Mesut Özil, Cacau und Thomas Müller im Falle eines Weiterkommens bei einer weiteren gelben Karte im Halbfinale gesperrt.
Den Ausfall von so wichtigen Spielern kann sich die deutsche Elf nicht erlauben und genau deshalb wird die Partie gegen Argentinien doppelt schwer. Mit körperlosem Spiel wird Deutschland gegen die ausgebufften Südamerikaner nicht bestehen können, so viel steht fest. Und dass die Schiedsrichter sich bei dieser WM im Zücken ihrer Karten ergötzen, muss immer wieder kopfschüttelnd festgestellt werden.
Bleibt zu hoffen, dass der Schiedsrichter ein Gespür für die Partie entwickelt und den „Spitzbuben“ von Maradona die Grenzen aufzeigt. Denn eins ist sicher: Die Argentinier werden sich von den deutschen Vorwürfen nicht einschüchtern lassen. Von daher ist es fraglich, ob die Äußerungen von Schweinsteiger so schlau waren oder ob dies nicht noch zusätzlich die Motivation der Gauchos anfacht.
Wie dem auch sei, es wird sicherlich wieder ein hitziges und hart umkämpftes Spiel. Mögen die deutschen Spieler einen klaren Kopf behalten und sich auf das Wesentliche konzentrieren: Fußball spielen und das Spiel gewinnen.
Sandhu Wurzer
28. Juni 2010 von redaktion
Die deutsche Nationalmannschaft bezwingt England im Achtelfinale mit 4:1. Im Viertelfinale warten nun Maradonas Argentinier.
Es läuft die 38. Spielminute. Englands Frank Lampard zieht beim Spielstand von 2:1 für Deutschland von der Strafraumkante ab. Der Ball klatscht gegen die Latte, springt ins Tor und hüpft von dort erneut gegen das Gebälk. Manuel Neuer greift beherzt zu und bändigt die Pille.
Der Ball war gut einen halben Meter hinter der Linie, doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb stumm. Riesen Glück für Deutschland.
Erinnerungen an das Wemblay-Tor von 1966 werden wach. Damals wurde den Engländern gegen Deutschland ein Tor zugesprochen, das wahrscheinlich keins war. Kurios: Auch damals sprang der Ball wie ein Flummi zwischen Latte und Boden hin und her.
Englands Trainer Fabio Capello ließ nach dem Spiel seinem Unmut freien Lauf und macht den Schiedsrichter für das Ausscheiden seiner Mannschaft verantwortlich. England hätte Deutschland besiegt, wäre das Tor gegeben worden, so der Italiener. Diese Meinung hat er jedoch ganz exklusiv.
Deutschland war das klar bessere Team. Während die Engländer blind in Richtung deutsches Tor anrannten, verstand es die deutsche Mannschaft immer wieder mit perfekt vorgetragenen Kontern die Briten auszuhebeln. Deutschland hatte einen taktischen Plan, das sah man ganz deutlich. Alles war aufeinander abgestimmt und die einzelnen Mannschaftsteile griffen ineinander, wie die Räder eines Uhrwerkes.
Es ist schon bemerkenswert, wie sehr die junge Mannschaft von Jogi Löw die „Three Lions“ aus England beherrscht hat. Das war eine Demonstration des modernen Fußballs und eine Lehrstunde für die Briten, die mit ihrem veralteten Geholper wenig zeitgemäß wirken.
Die spielerische Leichtigkeit aus dem Australien-Spiel, kombiniert mit der Kampfkraft aus der Partie gegen Ghana hat sich zu einer perfekten Synergie vereint. Das Ergebnis ist berauschender Fußball, der auch noch erfolgreich ist.
In dieser Form muss sich die deutsche Mannschaft auch nicht vor ihrem nächsten Gegner verstecken. In Kapstadt geht es gegen die Argentinier, die bisher die WM nach Belieben dominieren. Die Südamerikaner um Trainer Diego Maradona sind der härteste Brocken, auf den die deutsche Mannschaft treffen kann. Wenn es gelingt, diese Mannschaft zu schlagen, ist für Deutschland alles möglich.
Mit breiter Brust kann die deutsche Elf das Viertelfinale angehen. Es scheint da eine große Mannschaft zusammenzuwachsen und Trainer Jogi Löw hat sicherlich auch gegen die Südamerikaner einen Plan.
Sandhu Wurzer
24. Juni 2010 von redaktion
Deutschland bezwingt Ghana im letzten Gruppenspiel mit 1:0 und zieht ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft ein. Am Sonntag (27.06.) kommt es zum Klassiker-Duell mit England.
Zum Feiern war den deutschen Spielern nach der Alles-Oder-Nichts-Begegnung mit Ghana nicht zu Mute. Müde, doch erleichtert, schlichen die Spieler in die Kabine. Der Druck war riesengroß, das konnte man jedem Pass und jeder Flanke ansehen. Nur einmal blitzte die spielerische Leichtigkeit auf, als Mesut Özil geschickt freigespielt wurde und den Ball von der Strafraumkannte aus in den linken Winkel zimmerte. Ein Traumtor, die Erlösung, Deutschland ist weiter. Ansonsten war das Spiel von Kampf geprägt und rumpelte so vor sich hin. Nichts für Fußballästheten, doch ungemein spannend, da beide Abwehrreihen immer wieder Lücken entblößten und sich Chancen boten.
Die jungen Spieler von Trainer Löw haben den ersten Härtetest unter Druck gemeistert. Nicht in berauschender Manier, doch es reicht. In guter Tradition heißt am Ende der Sieger Deutschland.
Nach dem Zittersieg nun Donnergrollen. Im Achtelfinale warten die „Three Lions“ aus England auf die deutsche Elf. Das Spiel der Spiele für die Fanlager beider Nationen. Seit jeher von Rivalität und Aggression geprägt, kochen die Emotionen hoch. Der Sieger wird in himmlische Sphären erhoben, der Verlierer verspottet und zerrissen.
England, ein großer Name, der Kader gespickt mit Weltstars. Doch was die Mannschaft von der Insel bisher bei der WM geboten hat, ist nicht gerade Furcht einflößend. Mit Mühe und Not hat sich die Mannschaft von Fabio Capello über die Gruppenphase hinaus gerettet und fußballerisch auf unterstem Niveau agiert.
Diese Engländer kann man schlagen. Und dann ist alles möglich. Ein Sieg gegen den erbitterten Kontrahenten würde Deutschland für den weiteren Verlauf des Turniers beflügeln und das Team nach vorne tragen. Spielerisch ist Deutschland den Briten überlegen, die nach wie vor einen veralteten Fußball spielen. Es wird jedoch wahrscheinlich wieder eine von beiden Seiten hart umkämpfte Partie, in der für Schönspielerei kaum Platz ist; 90 Minuten oder darüber hinaus. Und was dann kommt, hat schon Tradition in diesem Duell. Dann folgt das, wovor die Engländer am meisten Angst haben, das was sie am wenigsten können: Der Krimi vom Punkt.
Sandhu Wurzer
21. Juni 2010 von redaktion
Die deutsche Nationalmannschaft braucht im letzten Gruppenspiel gegen Ghana unbedingt einen Sieg um sicher in die KO-Runde der WM einzuziehen. Trainer Löw fordert nach der bitteren Niederlage gegen Serbien eine Trotzreaktion von seinem Team.
Bundestrainer Jogi Löw versucht derzeit behutsam einen Kokon aus Zuversicht um sein junges Team aufzubauen. Bloß keinen Zweifel aufkommen lassen, bloß nicht die jungen Spieler verunsichern. Wie Beschwörungsformeln und Glaubenssätze wirken seine immer gleich gewählten Äußerungen. Selbstvertrauen und Siegeswillen will er seiner Truppe damit einimpfen. Der Einzug ins Achtelfinale wird zur Maxime einer jeden Handlung im deutschen Lager erhoben.
Löw tut gut daran, das Positive aus der bitteren Niederlage gegen Serbien zu ziehen. In der Tat kann man unschwer Dinge ausfindig machen, auf die es sich aufzubauen lohnt. In Unterzahl gelang es der deutschen Mannschaft gegen kompakte Serben das Spiel zu bestimmen und sich gute Torchancen herauszuarbeiten. Das müsse Mut machen, betont Löw ein ums andere Mal und verweist darauf, dass keiner seiner Spieler auch nur den Anflug von Resignation zeige. Ganz im Gegenteil, alle würden darauf brennen die unnötige Niederlage vergessen zu machen. Eine Trotzreaktion soll her, darauf setzt Löw und redet seine Mannschaft stark.
Siebzehn Mal hat Deutschland bisher an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilgenommen, noch nie schied das Team nach der Vorrunde aus. Gegen Ghana würde ein Unentschieden reichen, wenn Serbien gegen Australien zeitgleich remis spielt. Auf derlei Rechenspiele sollte Löws Mannschaft aber nicht bauen. Zu oft ist solch ein taktisches Geplänkel schon schief gegangen. Mut zur Offensive ist gefragt, ein Sieg muss her. Nur dann ist Deutschland sicher im Achtelfinale.
Sandhu Wurzer